Friday 13. January 2017

ERC Consolidator Grant for Susanne Häußler

Pseudomonas aeruginosa ist ein widerstandsfähiges Bakterium, das fast überall in der Umwelt vorkommt. Insbesondere Patienten mit Verbrennungen und Mukoviszidose-Erkrankte sind anfällig für eine chronische Infektion mit dem Erreger: Keine andere Bakterienart kommt häufiger in der Lunge von Mukoviszidose-Patienten vor. Ein widerstandsfähiger Biofilm – also eine Lebensgemeinschaft, die in eine geschlossene, schleimige Matrix eingebettet ist – schützt die Bakterien sowohl vor dem Immunsystem als auch vor Umwelteinflüssen und antimikrobiellen Therapien. Prof. Susanne Häußler, Leiterin des Instituts für Molekulare Bakteriologie am TWINCORE und Abteilungsleiterin am HZI, erhält für ihre Forschungen über die genetische Ausstattung dieser und anderer Biofilm-bildender Bakterien am TWINCORE nun einen mit rund zwei Millionen Euro dotierten ERC Consolidator Grant der Europäischen Union. Im Fokus des Projektes “Clearance of microbial biofilms by advancing diagnostics and therapy” (COMBAT) wird die Suche nach neuen Ansätzen in der Diagnostik und Therapie von Biofilm-assoziierten Infektionen stehen.

Susanne Häußler studiert seit mehreren Jahren intensiv die Erbinformation der Bakterien und deren Einfluss auf das bakterielle Verhalten. Mit sogenannten „Omics-Techniken“ – Hochdurchsatz-Verfahren zur Analyse der Biomoleküle in der Zelle – will sie im Rahmen von COMBAT herausfinden, welche Genvariationen die Biofilmbildung und die Widerstandsfähigkeit der Bakterien beeinflussen. Dabei werden neueste Techniken der Datenerhebung und -auswertung zum Einsatz kommen. „Wir haben eine große Menge genomischer Daten von einer Vielzahl klinischer Stämme gesammelt“, sagt die Medizinerin. „Jetzt wollen wir die Genome lesen, das System verstehen und das Verhalten der Bakterien vorhersagen.“ Ihre Idee ist, mit diesem Wissen dann beispielsweise Tests zu entwickeln, mit denen Pseudomonas-Biofilme bei Patienten sicher diagnostiziert werden können. Und die Wissenschaftler analysieren, wie die Bakterien auf Stress – etwa durch Antibiotika – reagieren. „Dadurch können wir langfristig effektivere und individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapien entwickeln.“