Donnerstag 17. Mai 2018

Promotionspreise des HZI und der MHH für Daniel Todt

Daniel Todt, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für Experimentelle Virologie des TWINCORE, erhielt für seine Forschung über das Hepatitis E-Virus zunächst am 4. Mai 2018 den durch die Gesellschaft der Freunde der MHH e.V. gestifteten Promotionspreis der Medizinischen Hochschule Hannover. Am 17. Mai 2018 zeichnete ihn außerdem noch der Förderverein des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung mit dem Promotionspreis für hervorragende Dissertationen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften im Rahmen der jährlich stattfindenden Hans Herloff Inhoffen-Vorlesung aus.

Das Hepatitis-E-Virus verursacht weltweit jedes Jahr über drei Millionen Infektionen und etwa 70.000 Todesfälle. Dennoch führte es in der Forschung bislang ein Schattendasein. Daniel Todt hat im Rahmen seiner Doktorarbeit erforscht, weshalb Infektionen mit dem Hepatitis E-Virus in manchen Fällen nicht mit universellen antiviralen Medikamenten therapierbar sind, sodass die Patienten daran sterben. Die von ihm entwickelte Methode lässt sich klinisch nutzen, um Risikopatienten früh zu identifizieren.

„Viele Facetten des Hepatitis-E-Virus sind noch zu erforschen“, sagt Daniel Todt. Dazu gehören zum Beispiel essenzielle Schritte des Lebenszyklus und seine genetische Wandelbarkeit, die es ihm ermöglicht, schnell auf sich verändernde Einflüsse von außen zu reagieren, etwa antivirale Medikamente. Weder gibt es spezifische Medikamente gegen das Virus, noch einen in Europa oder den USA zugelassenen Impfstoff. „Zurzeit können nur universelle antivirale Mittel wie Interferone und Ribavirin zur Behandlung chronischer HEV-Infektionen verwendet werden“, so Daniel Todt.
In seiner Doktorarbeit widmete er sich der Frage, warum einige chronisch infizierte Patienten nicht auf die Ribavirin-Therapie ansprechen, andere jedoch schon. „Dies ist ein großes Problem in der Klinik, da dann keine alternativen Medikamente bereitstehen und die Patienten an Hepatitis E sterben können, wenn sie in die Gruppe der Therapieversager gehören.“ Gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten der Medizinischen Hochschule Hannover und einem Team von Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts Berlin sammelte er Serumproben akut und chronisch infizierter Patienten und unterzog die enthaltenen Viren einer Tiefensequenzierung, bei der das Genom besonders exakt analysiert wird.
Auf diesem Weg identifizierte Daniel Todt mehrere Mutationen des HE-Virus, die mit dem Therapieversagen des Ribavirins zusammen hängen. „Über die Analyse dieser Virus-Mutationen können im klinischen Alltag frühzeitig die Infizierten identifiziert werden, bei denen das Virus nicht auf die Ribavirin-Therapie anspricht“, sagt der Forscher. Dieser Ansatz hat großes Interesse in den Fach- und Allgemeinmedien hervorgerufen. Er ist ein gelungenes Beispiel für die Überführung bestehender Technologien in ein diagnostisches Verfahren zur Früherkennung von Krankheiten - und für den schnellen Transfer von Laborergebnissen zu individualisierten medizinischen Lösungen.

Kontakt:

Dr. Daniel Todt wechselte inzwischen mit seinem Doktorvater Prof. Eike Steinmann an die Ruhr-Universität Bochum. Eike Steinmann leitet dort die Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie.

Daniel Todt, daniel.todt(at)ruhr-uni-bochum.de
Molekulare und Medizinische Virologie
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel: +49 (0)234 32 26465